Der Niedrigzins, der seit Jahren den Immobilienmarkt ankurbelt, gilt schon jetzt als historisch. Nie schien das eigene Nest so verlockend günstig zu sein. Einige Fallen gilt es allerdings zu beachten.

Des einen Freud‘ ist des anderen Leid: während die geringen Zinsen Häuslebauer anspornen, ächzen Versicherungen, Verbraucher und Kreditinstitute; die Renditen klassischer Sparanlagen sind im Keller. Die Konzerne versuchen Verlusten auszuweichen, indem sie günstige Baukredite vergeben und auch Investoren flüchten sich ins Baugeschäft.

Akute Nachfrage an Wohnplatz besteht zweifellos. Dazu tragen Hunderttausende Geflüchtete bei, die ihre Zukunft in den Metropolen suchen. Die Behörden reagieren auf den Mangel seit Jahren mit einer steigenden Zahl Baugenehmigungen. Vor allem Wohnungen in Wohnheimen wird stattgegeben, um mehr Menschen unterzubringen. Aber auch Mehrfamilien- und Einfamilienhäuser liegen im Trend. Das klingt erst einmal gut. Aber genehmigt heißt eben noch nicht gebaut.

Berlin ist ein Musterbeispiel für städtische Übervölkerung. Hier gibt es mittlerweile Pläne für mehrgeschossige Wohnbauten auf Supermarktdächern. Die Mieten steigen trotz Mietpreisbremse gnadenlos weiter an und kein Wohnraum ist in Sicht – der Bau dauert schlicht zu lange oder es gibt keinen Platz in den begehrten Bereichen. So entsteht ein Mangel, der die Kaufpreise weiter nach oben treibt. Experten gehen nicht davon aus, dass sich die Lage am deutschen Immobilienmarkt bald entspannen wird.

Generell profitieren Hausbauer von niedrigen Zinsen und Krediten. Das Manko besteht darin, dass bei einem niedrigen Zinssatz die Entschuldung entsprechend lange dauert und man sich auf eine langjährige Tilgung einstellen muss. Höhere monatliche Sätze verkürzen die Zeit der Verschuldung erheblich. Zudem sollte auf eine möglichst lange vertragliche Zinsbindung (20 Jahre) geachtet werden, da niemand weiß, wann der Zins wieder ansteigt. Eine Möglichkeit zur Zinssicherung bis zur letzten Rate bietet ein Bausparvertrag.

Der Niedrigzins begünstigt den Run auf Immobilien und erhöht die Konkurrenz. Eine gute Planung beschleunigt den Prozess, wenn man plötzlich über das Traumschloss stolpert. Hausjäger sollten einen gezielten Finanzierungsplan erarbeiten, eventuell eine Eigenheimrente (Wohnriester) in Betracht zu ziehen und genügend Erspartes, das bedeutet mindestens 20 Prozent des Kaufpreises, aufbringen können.

Man sieht: ein Häuschen im Grünen ist kein Kinderspiel, sondern eine konkurrenzbehaftete Challenge. Sollte der Speckgürtel Ihrer Stadt schon aussehen wie der Strand auf Mallorca zur Hochsaison, sichern Sie sich wenigstens das Dach Ihres Discounters um die Ecke und fühlen Sie sich einfach … Berlin! Oder beginnen Sie um die Wartezeit zu überbrücken mit einem Vogelhäuschen.