Der Nikolaus geht mit der Zeit

Der Nikolaus geht mit der Zeit

Es weihnachtet schon heftig und bald steht Nikolaus vor der Tür. Wir machen ihm ein gutes Angebot, sollte der Schlitten eine Panne haben!

Die Frage nach brav oder ungezogen, gestellt von einem nicht selten bedrohlich wirkenden Mann im roten Mantel mit weißem Rauschebart überschattete für viele während ihrer Kindheit die Adventszeit. Der Nikolaus als „kleiner Bruder“ des Weihnachtsmanns verkürzt mit den gebrachten Süßigkeiten das Warten auf Heiligabend. Er hat aber auch Drohpotential. Besonders mit seinen Helfern ist im Alpenvorland nicht gut Kirschen essen und auch in den Niederlanden repräsentiert der „Schwarze Peter“ als Helfer die dunkle, strafende Seite des Nikolaus. Der kommt in den Niederlanden übrigens schon Mitte November mit einem Schiff angereist.

Der Nikolaus beobachtet mithilfe seiner Späher das Tun und Unterlassen der Kinder über das ganze Jahr und entscheidet dann, ob sich zu den Lebkuchen im Schuh noch ein Stück Kohle, oder schlimmer noch, die Rute, gesellt. Unweigerlich stellt sich als Kind die Frage, wie denn um Himmelswillen dieser Mann herausfinden konnte, dass man Klein-Torben im Kindergarten zum wiederholten Mal an den Haaren gezogen hat. Dass die Kindergärtnerin mit ihm unter einer Decke steckt, das dämmert dann meist erst als später, wenn auch der Klapperstorch auffliegt.

Bedingungen stellt der Nikolaus ebenso wie der Weihnachtsmann. Während es Brauch ist, zu Heiligabend Lieder oder Gedichte vorzutragen, putzen hierzulande Kinder ihre Schuhe für den Nikolaus. Kluge Kinder wienern auch Vaters große Regenstiefel, um mehr zu erhaschen. Seit dem Mittelalter legt der Nikolaus seine Geschenke in Deutschland gern in aus Papier gefaltete Schiffchen. Ein Brauch, der sich „Schiffchensetzen“ nennt .

Der heilige Nikolaus von Myra ist der Namensgeber des christlichen Festes, das  am 6. Dezember mit verschiedenen Bräuchen gefeiert wird. Der rote Mantel, den er heute trägt, war vormals allerdings von dunklem Blau. In den Alpenregionen verbreiten die gehörnten Gehilfen des Nikolaus nicht nur Freude, sonder auch Angst und Schrecken. Es sind die Krampusse, die mit viel Kuhglockengetöse, in Fell gehüllt und mit schwarzen Gesichtern umherziehen und die Leute grausen. In der Schweiz heißt der 6. Dezember deshalb Krampustag.

Knecht Ruprecht gilt in manchen Regionen als Gehilfe des Nikolaus oder des Christkindes. In Nord- und Mitteldeutschland ersetzt er selbigen oder beide verschmelzen in einer Person.  „Von drauß‘ vom Walde komm ich her'“ ist wohl das bekannteste Gedicht zum Thema und stammt von Theodor Storm:

Von drauß‘ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolche‘ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell! […]

Umzüge Wüst steht allen Geschenkeverteilenden, ob sie sich nun Knecht Ruprecht, Nikolaus oder Santa Claus nennen, übrigens gern mit einem Transporter zur Verfügung, sollten Jutesack und Rentierschlitten für den Geschenkeberg nicht ausreichen!