Advent – und zack, Panikattacke! Schon Ende November und noch kein Geschenk gekauft? Die Tannen im Garten sind noch nicht illuminiert?  Unser Tipp: Tief durchatmen, die Füße hochlegen, Tee trinken und kontern mit einem relaxten: Na und? Ich mach‘ den Advent, wie er mir gefällt.

Firmenfeiern, Kaffeekränzchen, Familientreffen, Weihnachtsmarktbesuche – schöne Vorhaben in der besinnlichen Zeit des Jahres werden schnell zum Stressfaktor, wenn sie als abzuhakende Programmpunkte betrachtet werden. Reduktion und Entschleunigung sind die Zauberwörter, die vor einem Weihnachtskollaps bewahren. Jedes Jahr stürzen schon Wochen vor Weihnachten Flitter und Deko-Rentiere lawinenartig auf den Konsumenten ein. In jeder Werbung klingelt und bimmelt es: Weihnachten bedeutet Kaufrausch. Menschen mit Zeitnot klicken sich beim Onlineshopping die Finger wund, Briefträger schleppen bis zum Bandscheibenvorfall. Muss das sein?

Ein Geschenk ist kein Task

Ein Geschenk zu machen bedeutet oft, sich revanchieren zu müssen. „Letztes Jahr habe ich etwas im Wert von 50 Euro von Person X bekommen. Mein Geschenk sollte diesem Wert entsprechen.“ Diese Einstellung pervertiert die Schönheit des Schenkens und löst einen Kreislauf der gegenseitigen Verpflichtung aus. Ein Geschenk ist im besten Fall ein selbstloser Akt, der zeigt: ich denke an dich, du bist mir wichtig. Bevor man sich krampfhaft nach teuren Gütern umsieht, sollte man sich die Zeit nehmen, wirklich über den anderen nachzudenken und seine Bedürfnisse zu erkennen. Geschenke müssen keine bombastischen Investitionen sein. Eine Flaschenpost für den, der schon immer am Meer eine finden wollte. Ein selbstgebastelter Planer mit kleinen Witzen und Motivationssprüchen für Freunde, die sich eher selten sehen und sich so übers Jahr an den anderen erinnern. Beim Schenken geht es nicht um Masse, sondern um Qualität. Und die wird nicht in Karat gemessen.

Weniger ist mehr

Wieso messen wir Zuneigung überhaupt an einem Geschenk? Trifft der geliebte Partner nicht Geschmack und Erwartungen, ist Enttäuschung vorprogrammiert. Es wird gezweifelt und geweint. Wie unnütz! Lieber könnte man sich einen Wunsch gemeinsam erfüllen. Gemeinsame Zeit ist wohl das schönste Geschenk, das man jemandem machen kann. Es ist ungeheuer entlastend, eine Abmachung zum Nichts-Schenken zu treffen und einfach einen entspannten Tag miteinander zu verbringen. So steht niemand unter Zugzwang. Bei einem gemütlichen Mummel-Abend hat man bei Gesprächen und Spielen ohnehin mehr voneinander als von einem fünteiligen Küchenmaschinenset.

Weihnachten ist, wenn …

Zu einem gelungenen Fest und einer besinnlichen Adventszeit gehören Standards, die Jahr für Jahr als unabdingbar angepriesen werden. Ohne Baum, Gans, Stollen, Kekse, Schnee kein Fest. Im Umkehrschluss bedeutet das, fällt eine dieser Dinge weg, ist die Stimmung runiert und das Fest ‚gar kein echtes‘ Weihnachten. Weihnachtliche Druckbetankung. Der Advent galt in Zeiten, da das Wetter den Menschen noch stärker prägte, als naturverordnete Ruhephase. Er bedeutete das Gegenteil von Stress: gutes Essen, viel Schlaf, basteln, Rückzug in die warme Stube. Von Shoppingmarathon und Keksewettbacken nach der dritten Nachtschicht kein Wort! Für jeden bedeutet Stressabbau etwas anderes. Mancher erholt sich beim Sport, der andere beim Lesen. Und genau für diese Dinge sollte man den Advent nutzen. Durchatmen, Druck aus dem eigenen Zeitplan nehmen, Fernseher und PC ausknipsen und stattdessen die erste kalte Winterluft schnuppern.

Die Spezialisten auf diesem Gebiet sind immernoch Kinder: sie können staunen, wo Erwachsene vorüber hasten, sie erwarten mit Spannung, wovor es Erwachsenen graut. Sie erinnern den verantwortungsbewussten, gut getimten Großen an den Adventszauber der eigenen Kindheit. Und das ist unbezahlbar.