Was für die Eltern beim Umzug Stress bedeutet, ist für Kinder nichts Geringeres als ein Abenteuer. Das Zuhause verschwindet plötzlich in Kisten. Kuscheltiere, Bilder, Spielgeräte – nichts ist mehr an seinem Platz. Ob das bei den Kleinen für Verwirrung oder für Vorfreude sorgt, hängt von der Vermittlung durch die Eltern ab.

Kinder spüren genau, wenn sich etwas in ihrem Umfeld verändert. Ein Umzug kann durchaus als einschneidender Wandel bezeichnet werden. Umso mehr sind Rücksichtnahme und Erklärungen gefragt. Involvieren Sie Ihre Kinder von Beginn an in den Prozess, um ihnen das Gefühl des Gebrauchtwerdens und der Kontrolle zu versichern. Bei einem Ausflug in die neue Wohnung kann über die neue Wandfarbe, die Einrichtung des Kinderzimmers und die Vorteile des zukünftigen Domizils fantasiert werden. Ein Spielplatz gleich um die Ecke? Ein/e Freund/in ist jetzt besser zu Fuß zu erreichen? Betrachten Sie die neue Wohnung mit Kinderaugen und heben Sie Verbesserungen hervor.

Spannung fürs Kind = Entspannung für die Eltern

Wenn es ums Einsortieren und Ausräumen geht, lassen Sie Ihr Kind mit anpacken.  So gestaltet es die neue Situation selbst mit und ist gleichzeitig beschäftigt. Erklären Sie ihm die einzelnen Schritte, damit der Wechsel nicht als Schock empfunden wird. Kleine Tricks geben Ihrem Kind Beschäftigung und Ihnen Zeit zum Räumen. Beispielsweise kann Ihr Kind seine Lieblingsdinge in einen extra Karton packen und ihn bunt bemalen. So weiß es seine Herzstücke gut verstaut und kann nebenbei noch gestalten.

Es ist empfehlenswert, das Kinderzimmer in der neuen Wohnung zuerst einzurichten, damit das Kind einen festen, vertrauten Platz hat, in dem es Interieur wieder erkennt und sich sicher fühlt. Fällt der Abschied vom alten Zuhause sehr schwer, können kleine Andenken darüber hinweg helfen. Ein Erinnerungsfoto von der alten Wohnung oder ein vertrauter Gegenstand symbolisiert, dass das „alte Leben“ nicht vergessen ist. Den Umzug mit einer letzten Übernachtungsparty zu beschließen ist eine Möglichkeit, auf sanfte Weise eine Zäsur zu setzen.

Ein neues Nest bauen

Bei einem Umzug in ein anderes Bundesland erleichtern Sie Ihrem Kind den Abschied, indem es alle wichtigen Personen in einem Freundschaftsbuch sammeln und mitnehmen kann. Ein Umzug in den Ferien gibt die Möglichkeit, sich im neuen Zuhause einzuleben, Schulwege zu proben, die neue Schule schon einmal zu inspizieren oder Freunde aus der alten Heimat auf Besuch einzuladen. Bei Ferienangeboten der neuen Schule oder einem Probenachmittag in der Kita können sich neue Freundschaften anbahnen. Sprechen Sie mit den neuen Lehrern den Stand des Lehrplanes ab und versuchen Sie, eventuelle Lücken in den Ferien anzugleichen, um Ihrem Kind den Anschluss zu erleichtern.

Noch behutsamer muss mit einem Umzug aufgrund einer Trennung vorgegangen werden, zumal alle Beteiligten unter emotionalem Druck stehen. Bringen Sie Verständnis für Wut und Trauer Ihres Kindes auf, auch wenn diese sich an ungewöhnlicher Stelle Luft machen. Übertragen Sie persönlichen Stress nicht auf das Kind. Dazu gehört auch, die Wohnung des Ex-Partners mit ebenso viel Zuversicht wie die eigene neue Wohnung anzukündigen.

Ist der Umzug geschafft und die Wohnung andeutungsweise wohnlich, ist ein entspannter Abend bei Film und Nascherei eine entspannende Belohnung für alle. Schließlich ist die Situation ja auch für Eltern eine Umgewöhnung.